Fakultät der Gestaltenkunde


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Erich Volmar

Erich Volmar

(1887-1975)

Er war Dipl.- Ing. Architekt und Stadtkonservator, seit 1929 Baurat und seit 1939 Oberbaurat. Geboren wurde er am 13. März 1887 in Danzig in einer Kaufmannsfamilie. Nach dem Abitur im Jahr 1906, studierte er Architektur erst in München, später in Danzig, wo er 1913 sein Diplom erlangte. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges, in dessen Verlauf er auch an der Front gewesen war, legte er das Staatsexamen im Fach Bauwesen ab und begann als Konservator tätig zu werden. 1926 wurde er Leiter der Stelle für Bauberatung und Denkmalpflege, deren Aufgabe darin bestand, Bauvorhaben zu beraten und Danziger Baudenkmäler zu konservieren. Unter seiner Leitung wurde die Renovierung der Marienkirche, die von Prof. Karl Gruber (1929 –33) begonnen, und von Prof. Otto Kloeppel (1933 –35) fortgesetzt worden war, beendet. Er leitete auch die Renovierungsarbeiten an der St. Bartholomäus – Kirche.
1934 hatte eine große konservatorische Aktion begonnen. Ihr Ziel war, die Danziger Bürgerhäuser zu renovieren und ihnen ihr Originalaussehen wiederzugeben, das durch Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert verloren gegangen war. Die maßgeblichen Stellen der Freien Stadt haben dafür beträchtliche Summen zur Verfügung gestellt. Damit wurde es möglich eine Gruppe von Fachleuten zusammenzustellen, die unter der Leitung Volmars die erforderlichen Vorbereitungsarbeiten durchführten und dann die wertvollen Fassaden der Bürgerhäuser umbauen konnten (z. B. in der Beutlergasse 3, Heiligen- Geist – Gasse 77, Brotbänkengasse 36, an der Langen Brücke 13 und besonders in der ganzen Frauengasse). Diese Aktion ist bis 1940 (Gerbergasse 1) und sogar noch bis 1941 fortgeführt worden. Bei allen Verdiensten Erich Volmars sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in diesem Zeitabschnitt – und sicherlich nicht ohne sein Wissen – mit Vorbedacht Spuren, die auf Danzigs Verbindung mit Polen hinwiesen, entfernt oder zerstört worden waren ( wie die Adler am Neptunbrunnen, die Tür in der Danziger Diele), ebenso wie andere Andenken, die für die Nazi –Version der Stadtgeschichte unbequem waren (z. B. die Judaica, der von Lesser Gie³dziñski gestifteten Danziger Diele).
1939 wurde Volmar mit der Denkmalpflege im ganzen Bereich des Gaues Danzig- Westpreußen, der sich bis Graudenz und Thorn erstreckte, betraut, aber sein Tätigkeitsfeld lag überwiegend in Danzig. Zusammen mit Prof. Willi Drost initiierte er eine groß angelegte Aktion zur Sicherung und Evakuierung der wertvollsten Innenausstattungen von Kirchen und anderen historischen Gebäuden. Sein Engagement in diese Rettungsaktion führte u. a. dazu, dass er bis zuletzt in Danzig geblieben war und so in sowjetische Gefangenschaft geriet.
Nach seiner Freilassung arbeitete er mit polnischen Denkmalpflegern zusammen und war diesen bei der Suche nach den ausgelagerten Sammlungen sehr behilflich. Ohne seine Hilfe wäre wohl die Schöne Madonna aus der Marienkirche nicht gefunden worden, denn da sie für den Transport ungeeignet war, hatte man sie einfach in der Wand eingemauert. Er trug auch dazu bei, dass die ganze Ausstattung des Roten Saals im Rathaus, viele Elemente aus dem Artus –Hof und dem Uphagen- Haus an ihre Orte zurückkehren konnten. Sein persönliches Archiv über die Danziger Baudenkmäler überließ er dem polnischen Denkmalpfleger Prof. Jan Borowski. Bis zur seiner Ausreise im Herbst 1946 war er in der Stadtverwaltung tätig, dort teilte er sein Wissen über die Danziger Baudenkmäler mit den neuen Verwaltern. Sein damaliger Mitarbeiter Wies³aw Gruszkowski erinnert sich, dass Volmar die Zerstörung der Stadt als eine schwere persönliche Katastrophe empfand. Das Ausmaß der Zerstörungen in der Innenstadt war für ihn niederschmetternd und er glaubte nicht an die Möglichkeit, auch nur irgendetwas wiederaufzubauen zu können.
Nach der Vertreibung aus Danzig 1946 kam er nach Berlin, dort arbeitete er als Konservator. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Würzburg, dort starb er am 19. Mai 1975.

Bearbeitet von: virt. Prof. Pumeks
Übersetzt von: Biszon
© Marcin St±porek 2004
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