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Geschichte einer Treppe

Ein berühmter und oft reproduzierter Kupferstich von Johann Carl Schultz stellt den Innenraum der Diele eines Hauses dar, das einmal in der Heilige-Geist-Gasse 101 gegenüber der Königskapelle stand, etwa dort, wo sich jetzt die Buchhandlung auf der Ecke von 1. Damm (Grobla I ) und Heilige-Geist-Gasse (¦w. Ducha) befindet. Wie auch die anderen zu dieser Reihe gehörenden Bilder, zeigt es Menschen in altmodischen Kleider. Das wichtigste Ausrüstungselement der Diele ist die prächtige in Eichenholz geschnitzene windende Treppe vom Anfang des 18. Jahrhundert. An ihrer Füße, wie es ehemals in Danzig Sitte war, befinden sich übergroße Figuren von Hellebardiern. Bemerkenswert ist auch die kleine Gestalt vom Junge auf wessen Schultern eine windende Säule, die die Achse der spiralförmigen Treppe bildet, stützt.
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Es gab in Danzig mehr von solchen Treppen, Meisterschaften der Holzschnitzerei (z.B. im Rathaus der Rechtstadt, oder in der Danziger Diele von Lesser Gie³dziñski), die Mehrheit von denen haben aber bis unsere Zeit nicht überstanden. Die Treppe in der Diele des Rechtstadtsrathauses ist eine Nachkriegsrekonstruktion und diejenige im Altstadtsrathaus ist zwar originell, stellt jedoch ein viel niedrigeres Kunstniveau dar.
Umso bemerkenswerter ist die Treppe im Gebäude in der Heilige-Geist-Gasse. Sie existiert immer noch, zwar weit von Danzig... Und so ist es passiert: im Jahre 1856 boten die Gebäudebesitzer die alte Ausrüstung zum Verkauf an. Der Zufall wollte es, daß eben zu dieser Zeit traff in Danzig Katarzyna Potocka an, deren Mann Adam Potocki auf der Suche nach schöne Möbel für seinen Palast in Krzeszowice neben Krakau war. Die Danziger Altkunstfreunde, die eben im vorigen Jahr die Verein zur Erhaltung der altertümlichen Bauwerke und Kunstdenkmäler Danzigs zur Leben berufen hatten, protestierten heftig gegen, wie man es damals beschrieb, "die Rauberei der Danziger Denkmäler von den Polen". Wohl bei dieser Gelegenheit hat Johann Carl Schultz, einer von den Aktivisten der Verein, die Erscheinung der Diele auf dem übergenannten mit Datum 1857 signierten Bild unsterblich gemacht. Schließlich jedoch kauften die Potockis die Danziger Antiquitäten auf, obwohl wegen der Behinderungen in Ausfuhr der Kunststücke ins Ausland, mußten sie zunächst nach Berlin fahren, wo sie umgepackt wurden und erst dann nach Krzeszowice transportiert.
Im Palast von Potockis in Krzeszowice war das sogenannte "Danziger Zimmer" erstanden, schließlich erst zum Jahr 1887 nach Projekt von Tadeusz Stryjeñski ausgerichtet, auf Grund der originellen Danziger Elemente (Treppe, Decke, Fenster, einige Möbel) ergänzt mit anderen im selben Styl. Der dominierende Akzent der Ausrüstung war vor allem die schöne windende Treppe. Durch eine Öffnung in der Decke führte sie zum ersten Stock ins Arbeitszimmer vom Palastbesitzer. Das untengezeigte Photo kommt aus einem im Jahr 1928 herausgegebenen Buch.
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Während der Nazi-Okkupation hätten vielleicht die Danziger Kunststücke aus Krzeszowice weggeschaft worden, wenn der Palast von Potockis nicht im Jahr 1940 zur Sommerresidenz von Hans Frank würde. Nach dem Krieg kommte der Palast zu seinen rechtmäßigen Besitzern nicht mehr zurück. Professor Karol Estreicher Junior, ein berühmter Kunsthistoriker, hat dann an die Danziger Treppe Interesse genommen. In der Beführchtung, dieses höchstensklaßige Denkmal könnte zörstert werden, hat er es ins eben renovierte Collegium Maius in Krakau übertragen. Seit die Interieurs erneut ausgerichtet wurden (1949-1964), kann man die Danziger Treppe im vollen schöner Möbel und ungewöhnlicher Exponate Repräsentationsraum bewundern, der Stuba Communis heißt. Das ist ein ehemaliger gemeinsamer Speisesaal und Versammlungsraum der im Collegium Maius wohnenden Professoren, und heutzutage ist der Saal nur zu den ausnämlich festlichen Gelegenheiten benutzt. Da werden besonders prominenten Universitätsgäste empfangen und da wird der Rektor ausgewählt.
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Wie man auf dem Photo sieht, hat die Treppe alle Umstände mit keinen größeren Schaden übertragen. Der Auftritt wird immer noch von zwei drohenden Hellebardier geschützt. Dagegen hat die Tür mit einer geschnitzenen Rahme verschwunden, die sich einmal auf dem Halbgeschoß befindete. Ich kenne auch nicht das Schiksal der anderen von Katarzyna Potocka einmal gekauften Danziger Denkmäle. In Stuba Communis befindet sich noch ein "Danziger" Barokschrank vom 18. Jahrhundert. Bisher habe ich aber seine Herkunft nicht entdeckt, und auf Grund dessen, was man auf dem Photo sieht, ist es schwer zu erkennen, ob er derselbe Schrank ist, den J. C. Schultz auf seinem Bild dargestellt hat. Er sieht ziemlich ähnlich aus und ist sogar genauso mit Fayencevasen ausgestattet. Man soll aber nicht vergeßen, daß die Danziger Möbel sehr modisch in Polen waren und deswegen wurde jedes shön geschnitztes schweres Möbel "Danziger" genannt, obwohl mehrere von ihnen wohl von ortlichen gar nicht Danziger Handwerker stammten.

Bearbeitet von: virt.Prof. Pumeks

Quellen von Illustrationen:
1) der Kupferstich von Johann Carl Schultz vom Jahr 1857, aus der Seite www.bildindex.de .
2) aus dem Buch "Gdañsk'', Kollektivarbeit, von Stanis³aw Kutrzeba herausgegeben, Lwów-Warszawa-Kraków 1928.
3) aus der Seite www.arslonga.pl .
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