Fakultät der Gestaltenkunde


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Johann Carl Schultz

(1801-1873)

Johann Carl Schultz wurde am 5. Mai 1801 in Danzig in der Jopengasse 25, geboren. Seit 1832 war er Professor und Direktor der Kunst- und Handwerkschule, die ihren Sitz im Langgasser Tor und in der Georgshalle hatte. Im Haus der Bruderschaft wohnte er bis zu seinem Tod. Sein ganzes erwachsenes Leben hindurch forderte er respektvollen Umgang mit den Danziger Baudenkmälern und deren Schutz. Er kämpfte für den Erhalt und die Restaurierung der alten Stadttore, Türme und Stadtmauern. 1856 war er Mitbegründer des Vereins zur Erhaltung altertümlicher Bauwerke und Kunstdenkmäler Danzigs. Der Verein führte eine regelrechte Schlacht, um alte Beischläge und Giebel zu schützen, er verlangte einen amtlichen Erlass, der ihren Abriss verbieten sollte. Die Vereinsmitglieder bemühten sich, bedrohte Objekte aufzukaufen und sie an andere Stellen zu bringen. Manchmal gelang es, für einen Beischlag einen Käufer zu finden, der dafür garantierte, dass er vor seinem Haus sicher sein würde. Es kam sogar vor, dass die Vereinsmitglieder nachts Wache standen, um irgendeinen Beischlag vom Abriss zu bewahren.
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So gab J. C. Schultz die Erinnerung an die Diele seines Elternhauses in der Jopengasse in einem Stich wieder.

Die Georgshalle und das Langgasser Tor. Hier befand sich die Kunst- und Gewerbeschule und hier wohnte J. C. Schultz.

Eine andere, erfolglose Protestaktion, stand im Zusammenhang mit dem Verkauf der schönen Diele des Hauses in der Heiligen-Geist-Gasse 101 an den Grafen Potocki aus Krzeszowice. J. C. Schultz ist heute in Erinnerung geblieben vor allem als Autor von 54 Kupferstichen, die in den Jahren 1842 – 1867 entstanden sind und noch zu seinen Lebzeiten in drei Alben unter dem Titel „Danzig und seine Bauwerke in malerischen Original - Radierungen mit geometrischen Details und Text“ erschienen waren.
Er zeichnete mit besonderer Vorliebe die Architekturfragmente, die Danzigs spezifischen Charakter ausmachten. Seine Stiche dokumentieren damit einzigartig das Aussehen der Stadt in der Mitte des 19. Jhd. Ein anderer in Danzig verliebter Professor, Jan Kilarski, schrieb 1937 über Schultz folgendes:
(…)Aus Liebe zur Schönheit der Vergangenheit und vielleicht auch aus Furcht, sie könnte der Zerstörung anheim fallen, arbeitete er unermüdlich mit dem Stichel und schuf eine umfangreiche, wertvolle Stichsammlung, in der er Danziger Gassen, Häuser, Kirchen und ihre Innenräume so wiedergab, wie er sie sah und liebte. Er ergänzte sie durch Erläuterungen, in denen er die historische Wahrheit auferstehen ließ, er schrieb leidenschaftlich, sprach das Gewissen der Leser an, öffnete ihnen die Augen, appellierte an ihre Gefühle, nicht zugrunde zu richten, was die Geschichte geschaffen hatte; er erkläre, dass in diesen Steinen Danzigs Seele eingeschlossen sei, gab sich der trügerischen Hoffnung hin, Verständnis bei den Mächtigen zu finden, indem er diesen Größen sein Werk widmete, die aber für dessen Inhalt unempfänglich waren. Es war ihm gelungen für kurze Zeit einen Schutzverein ins Leben zu rufen, zumindest konnte er Gleichgesinnte aktivieren und obwohl es noch fünfzig Jahre gedauert hat bis zum Entschluss, Danzig seinen Danziger Charakter zu erhalten, war dies hauptsächlich sein Verdienst, wie auch aus seiner Idee später das Stadtmuseum entstanden war.(…)
Johann Carl Schultz starb am 12 Juni 1873 in Danzig, er wurde auf dem Friedhof der Fronleichnam – Gemeindet, am Fuße des Hagelsberges beerdig. Nach dem Krieg wurde ein mittelalterlicher Wehrturm im Komplex des Stadthofes nach ihm benannt, der Dank seiner Stiche rekonstruiert werden konnte und eine von 37 Glocken des Glockenspiels im Rechtsstädtischen Rathaus trägt seinen Namen.

Bearbeitet von: virt. Prof. Pumeks
Übersetzt von: Biszon

Portrait von Johann Carl Schultz entnommen aus:
Miros³aw Gliñski „Ludzie dziwiêtnastowiecznego Gdañska“ (Danziger des 19 Jhd.) Herausgeber Museum für Geschichte der Stadt Danzig, Danzig, 1994
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