Fakultät der Gestaltenkunde


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Rudolf Freitag

(1806-1890)

Patron des Museums der Wasserspeier – Akademie[/ID]

Er war ein Wahldanziger. In Breslau gebürtig, unternahm er in seiner Jugend ausgedehnte Reisen durch Europa. Einige Jahre verbrachte er in Italien, wo er beim berühmten Thorvaldsen Bildhauerei lernte (dem gleichen, der in Warschau die Denkmäler für Kopernikus und den Fürsten Józef Poniatowski geschaffen hat). Dort lernte er auch Johann Carl Schultz kennen, der ihn überrede nach Danzig zu kommen. Rudolf Freitag kam 1844 nach Danzig und blieb. Wahrscheinlich faszinierte ihn die Vielfalt der bildhauerischen Ornamente und Details an Gassen und Häusern, dieser ganze steinerne Reichtum, den, wie es die Legende erzählt, der Fabelriese Tullatsch aus der Tasche zog und der Stadt schenkte, als er einst auf dem Turm der Marienkirche sitzend hier rastete. Was den Bildhauer am meisten bezauberte, waren selbstverständlich die zahlreichen, wunderschönen Wasserspeier Diese Atmosphäre war seinem künstlerischen Schaffen förderlich, er begann auch Vorlesungen zu halten an der von J. C. Schultz geleiteten Kunst- und Handwerkschule.
Freitag hatte eine eigentümliche - und selbst für die Menschen der Romantischen Epoche schwer nachvollziehbare - Vorliebe für Ruinen. In Pompeji hatte er einige Jahre damit verbracht, die ausgegrabenen antiken Schätze zu ordnen und Besucher durch die freigelegte Stadt zu führen. In Danzig wohnte er zunächst im Stadtpalais des Garnisonskommandanten am Langgarten und dort, im Dezember 1845, präsentierte er erstmals den Stadtbewohnern seine Skulpturen. Man mutmaßt, dass er versucht hat, in der Klosterruine von St. Brigitten seine Werkstatt einzurichten. Dieses alte Gemäuer war aber zum Abriss bestimmt um Platz zu schaffen für ein Lazarett und ein Militärgefängnis. So landete der Künstler in der Ruine des ehemaligen Franziskanerklosters in der Fleischergasse. Das Akademische Gymnasium, einst hier ansässig, war schon vor langer Zeit aufgelöst worden, die Stadtratsbibliothek war umgezogen, 1844 zog auch das Garnisonslazarett weg und die alten Klostermauern waren seit dem sich selbst überlassen. Dann entdeckte Freitag diesen Ort.
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Freitags Werkstatt im ehemaligen Klostergebäude. Gemälde von W. A. Stryowski „Freitag arbeitend an der Büste des Hevelius“, 1870. Foto Ryszard Petrajtis

Die verwahrloste, zerfallende Ruine entpuppte sich als die Traumbehausung des Bildhauers. Er bezog sie allein, nur ein Hund leistete ihm Gesellschaft, in der Einsamkeit arbeitete er an seinen Skulpturen. Als wäre dies nicht spleenig genug, legte er sich obendrein ein skurriles Hobby zu: er wanderte durch Danzigs Gassen auf der Suche nach altertümlichen Dingen, die von den Besitzern (ins Moderne zu vernarrt, um sich nach dem alten Krempel zu bücken), achtlos weggeworfen worden waren. Manchmal kaufte er diese Dinge ihren Besitzern ab, manchmal kramte er sie buchstäblich aus dem Müll. Stapelweise schleppte er in sein Atelier in der Ruine Erzeugnisse des Kunsthandwerks, die vom erlesenen Geschmack ihrer einstigen Besitzer zeugten. Er sammelte Gemälde, Stiche, Skulpturen, Danziger Möbel, Gitter, Griffe, Türklopfer, Schlüssel, Musikinstrumente, Porzellan, Fayencen, Militaria, Lampen und Münzen. Er hatte auch sein eigenes Lapidarium, in dem er Relief- und Gesimsfragmente zusammentrug. Außer Antiquitäten sammelte er auch Kuriosa, wie ungewöhnliche botanische, zoologische oder mineralogische Exemplare. In den verlassenen Klosterräumen sammelte er seine Schätze, sortierte sie sorgfältig und inventarisierte sie. In der Zeitschrift „Neue Preußische Provinzial-Blätter“ veröffentlichte er den Katalog seiner Sammlung.
In ihm reifte die Idee, in Danzig ein Museum zu gründen, aber bei den prosaischen und eher der Gegenwart zugewandten Stadtbewohnern, stieß diese Idee auf wenig Verständnis. Also begann er Briefe an die Minister in Berlin zu schreiben und als auch dies nicht half, wagte er sogar Friedrich Wilhelm IV. zu belästigen. Als 1851 der Monarch auf der Durchreise nach Hela in Danzig weilte, überredete Freitag ihn die Klosterruine und seine Sammlung zu besichtigen. Das Ergebnis war, dass der Monarch 1855 die Eigentumsrechte am Klostergebäude der Stadt übertrug und gleichzeitig Freitag die alleinige Verfügung über das Kloster überließ.
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Ehemaliges Franziskanerkloster nach dem neugotischen Umbau in den Jahren 1868-1872

Auf diese Weise existierte das Museum de facto, aber es sollten noch viele Jahre vergehen bis zu seiner offiziellen Eröffnung. Erst die finanzielle Unterstützung des 1868 verstorbenen Kaufmanns Karl Gottfried Klose, der dem Museum 64.000 Taler testamentarisch vermachte, konnte die Bedenken der Stadtältesten zerstreuen. Das Klostergebäude wurde renoviert und im neugotischen Stil umgebaut. 1870 wurde offiziell die Gründung des Städtischen Museums bekannt gegeben und am 1. März 1873 öffnete es seine Tore für Besucher. Einen ansehnlichen Teil der Museumsexponate bildeten die von Rudolf Freitag geretteten Antiquitäten.
Nicht alles gestaltete sich nach seinem Wunsch. Es stellte sich heraus, dass nur ein kleiner Teil der renovierten Klosterräume für das Museum bestimmt war. Nach dem Willen der Stadtältesten wurde hier die St. Johannes - Realschule untergebracht und – ironischerweise – die aus dem Langgasser Tor umgezogene Kunst- und Gewerbeschule, dieselbe, der J. C. Schultz und Freitag verbunden gewesen waren. Um ihm diese Entwicklung zu versüßen, wurde er zum ersten Kustos des Museums ernannt. Er musste jedoch aus dem Kloster ausziehen und bezog Quartier in der benachbarten Holzgasse. Gegen Ende seines Lebens, so behaupten einige Autoren, zog er noch weiter weg von seinem geliebten Kloster, nämlich nach Heiligenbrunn bei Langfuhr. Dort starb er am 19. Mai 1890.


Bearbeitet von: virt.Prof. Pumeks
Übersetzung: Biszon

Bildnachweis:
2. Nationalmuseum in Danzig, Copyright © 2000 Ryszard Petrajtis.
1. i 3. Archiv der Wasserspeier Akademie.

9 wrze¶nia 2004 (pl)
19 grudnia 2006 (de)

Opracowa³: prof.wirt. Pumeks

¬ród³a ilustracji:
2. Muzeum Narodowe w Gdañsku, Copyright © 2000 Ryszard Petrajtis.
1. i 3. archiwum Akademii Rzygaczy.

© Marcin St±porek 2004



9 wrze¶nia 2004
© 2004 Marcin St±porek
© by Akademia Rzygaczy Members