Fakultät der Gestaltenkunde


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Jerzy Stankiewicz

(1923 - 1994)

Von Danzig träumte er schon während des Krieges. Unter dem Einfluss des Buches „Danzig“ von Jan Kilarski, aus der Reihe „Polens Wunder“ hatte er beschlossen, nach dem Krieg nach Danzig zu ziehen und dort Architektur zu studieren. Im September 1945 ist er dort angekommen. Er kam jedoch zu spät. Seine Traumstadt hat paar Monate zuvor zu existieren aufgehört.
Dies änderte aber nichts an seinen Plänen. Er war in Danzig und begann hier im Oktober 1945 an der Fakultät für Architektur der Technischen Hochschule zu studieren. Das Studium beendete er 1950. Er gehörte zu einer kleinen Gruppe engagierter Personen, die sich für den Wiederaufbau der Rechtstadt einsetzten, die ihr ihren historischen Glanz wiedergeben wollten und alles retten wollten, was das Sterben der Stadt im März 1945 überstanden hatte. Dieser Aufgabe widmete er viele Jahre, indem er tonnenweise dokumentarisches Material aufarbeitete (häufig unentgeltlich), Untersuchungen im Gelände durchführte, Materialien und Fotografien aus der Vorkriegszeit analysierte und vor allem fortwährend Schlachten austrug gegen die im Wiederaufbau vorherrschende „kreative“ Tendenz.
Der Kampf mit der freudigen „Kreativität“ solcher „Erneuerer“ wie Stanis³aw Holc oder jener Architekten, die den Wiederaufbau eines jeden Objektes damit begannen, dass sie die übrig gebliebenen Relikte erst dem Erdboden gleichmachten, erforderte aufopferndes Handeln, viele Stunden nächtlicher Arbeit über dem Zeichenbrett, einen Wettlauf gegen die Zeit und mancherlei Finten, von denen nur diejenigen wussten, die Danzig vor den neuen „Herren“ zu retten versuchten.
In dem Bewusstsein, dass in vielen Fällen seine Bemühungen zum Scheitern verurteilt waren, tat er, wie sein großer Vorgänger Johann Carl Schultz, sein Bestes, um die verschwindenden Objekte wenigstens durch Dokumentationen vor dem völligen Vergessen zu bewahren.
Zusammen mit seinen Kollegen vom Institut für die Architekturgeschichte Polens an der Danziger Fachhochschule bewahrte er zunächst die Breitgasse, später die Neustadt und dann das Johannis-Viertel vor modernistischer Bebauung. Wandalen mit einem Architektendiplom hatten die Breitgasse als Grenze des historischen Wiederaufbaus der Rechtstadt festgelegt. Dabei stützten sie sich auf Pseudoargumente, wie den, dass dieser Bereich erst spät in die Stadtgrenzen miteinbezogen worden sei. Anführer der Verfechter dieser Meinung war ein gewisser Kazimierz Biszewski. Mit Institutskollegen erarbeitete Jerzy Stankiewicz unentgeltlich die Fassadenreihe für die Breitgasse, die Straßen des Johannis-Quartals und der Neustadt. In der Presse (u. a. in Rejsy) zog er unermüdlich gegen die „Erneuerungskonzepte“ zur Felde, und protestierte gegen die fortschreitende Zerstörung der historischen Bebauungreste in der Rechtstadt, die im Rahmen des s. g. „Wiederaufbaus“ um sich griff.
Als die mittelalterlichen Stadtmauern, die jahrhunderte lang mit Häusern dicht zugebaut gewesen waren, freigelegt wurden, führte er deren Untersuchung und Dokumentation durch. Auch hier musste er sich wiederholt stark machen gegen diverse Umgestaltungs- und Abrissideen.
Danzig war nicht sein einziges Betätigungsfeld. Mit gleichem Engagement kämpfte er für die Erhaltung historischer Bauten in Zoppot und Oliva, leider auch hier manches Mal ebenso erfolglos.
Dies sind nur einige Beispiele für das Wirken von Jerzy Stankiewicz, für das er die Bezeichnung eines GROßEN WASSERSPEIERS und das ewige Andenken der Danziger verdient hat. Er gehört zu denjenigen, denen es zu verdanken ist, dass mit Danzig nicht das Gleiche geschehen ist wie mit Elbing, Königsberg oder Marienburg.
Am 14. Oktober 1998 wurde der Verband der Schulen für Kommunalbau nach ihm benannt, der heute Verband der Schulen für Bau und Architektur heißt.

Bearbeitet von: virt. Prof. Grün
Übersetzt von: Biszon
Prof. Stankiewiczs Curriculum vitae ist nachzulesen auf der Internetseite der TH Danzig (nur auf Polnisch)
Stankiewiczs Erinnerungen an den Kampf um das Danzig, das wir lieben, sind nachzulesen in: Izabella Trojanowska (Red) „Erinnerungen an den Wiederaufbau der Rechtstadt“ (Wspomnienia z odbudowy G³ównego Miasta) Band 1
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