Fakultät der Gestaltenkunde


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Lesser Gie³dziñski

1830-1910

Ein Wasserspeier im Sinne unserer Akademie ist nicht nur jemand, der für die Erhaltung der Sehenswürdigkeiten der Danziger Architektur und des urbanen Charakters der Stadt kämpft, sondern auch jemand, der Danziger Artefakte sammelt – nicht um sich ihrer in der häuslichen Abgeschiedenheit zu erfreuen, sondern um sie den Danzigern zugänglich zu machen. Ein solcher Wasserspeier, der zweifelsohne zur Kategorie der Großen gehört, war Lesser Gie³dziñski.
Er wurde am 10 Januar 1830 in Lesslau in einer jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. 1860 gründete er in Danzig eine Getreidehandlung, die bald so profitabel war, dass er sich uneingeschränkt seiner Sammelleidenschaft widmen konnte. Er sammelte eigentlich alles, was mit Kunst und Kunsthandwerk zu tun hatte. Bestandteil seiner Sammlung waren Dutzende von Exponaten aus Danziger Haushalten oder solche, die in Danziger Werkstätten hergestellt worden waren. Seine private Sammlung, die er stolz Interessierten vorführte, verwandelte sich im Laufe der Zeit in ein einzigartiges Danziger Museum. Die Sammlung befand sich anfänglich in seinem Firmensitz, in der Langgasse im Haus Nummer 18. Zu Beginn des 20. Jh. wurde sie in sein privates Wohnhaus in der Langgasse Nr. 29 gebracht, jenes Haus, das einst Sitz der Freder-Familie gewesen war. In diesem Museum konnte man Gemälde, Stiche, Keramik, Skulpturen, Uhren, Leuchter, bestickte Seidengürtel, Bücher, Landkarten, Musikinstrumente, Schmuck, und sogar Spazierstöcke, Pfeifen und Knöpfe besichtigen.
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Die Gieldzinski – Sammlung in seiner Wohnung in der Langgasse 29. Postkarte Anfang 20. Jh. aus dem Archiv der Wasserspeier - Akademie.

1901 überlies er einen Teil seiner Kollektion, d. h. Stiche, Zunft - Abzeichen und die frühen Gemälde von Wilhelm Stryowski, für die historische Ausstattung der Danziger Diele am Langen Markt. 1904 übergab er der Großen Synagoge die Judaica seiner Sammlung und begründete damit das erste Museum der Jüdischen Kultur in Europa.- heute ist das Jewish Museum of New York Stolz auf diese Sammlung. Einige ausgewählte Exponate kann man auf den Internetseiten der Jüdischen Gemeinde in Danzig bewundern.
Lasser Gie³dziñski starb achtzigjährig am 5. Mai 1910, während eines Kuraufenthalts in Gries bei Bozen. Seinem Wunsch entsprechend wurde er auf dem Jüdischen Friedhof auf dem Stolzenberg beerdigt.
Das Meiste seiner großartigen Sammlung ist 1912 auf einer Auktion in Berlin verkauft worden. So wurde der überwiegende Teil dessen, was ein Danziger Kaufmann jahrelang gesammelt hat, zerstreut.
Vergeblich würde man auch nach seinem Grab auf dem Stolzenberger Friedhof suchen. Vielleicht würde man noch seinen Namen auf einer der umgestürzten Grabtafeln entziffern können, bevor diese Spur der Danziger mosaischen Glaubens, völlig verschwunden sein wird.

Bearbeitet von: virt.Prof. Grün
Übersetzt von: Biszon

25 November 2004 (pl)
13 Dezember 2006 (de)
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