Fakultät der Friedhofskunde

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Der Gemeindefriedhof in Brösen

Am 31. Oktober 1923 stimmte der Senat der Freien Stadt Danzig dem Vorhaben zu, einen römisch - katholischen Friedhof in Brösen an der Ostseestraße (heute Aleja gen. J. Hallera) anzulegen. Hier sollten die Gemeindemitglieder der damals in der letzten Bauphase befindlichen St. Antonius- Kirche bestattet werden.1927 wurde auf dem Friedhofsgelände eine Kapelle errichtet. Diese wurde 1945 teilweise zerstört, ihre Umzäunung gestohlen. 1946 ließ sie der damalige Pfarrer A. Szczepañski erneut einzäunen. Noch bis 1948 wurden hier Bestattungen vorgenommen, obwohl die Stadtverwaltung bereits 1946 den Beschluß gefasst hatte, diesen Friedhof zu schließen. Seit dieser Zeit unterliegt die Nekropole einer bis heute andauernden systematischen Zerstörung. In den Nachkriegsjahren verschwand die Kapelle, die Grabplatten sind gestohlen worden, das ganze Gelände überwucherten Bäume und Sträucher, die ursprüngliche Anlage des Friedhofs ist nicht mehr erkennbar. Aus Sicht der Stadtverwaltung war das Friedhofsgelände nicht mehr wert, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Der Brösener Friedhof wurde 1961 erneut geschlossen und fünf Jahre später entschied der Minister für Kommunale Wirtschaft über seine Auflösung. Hier sollte erwähnt werden, dass von Seiten der Kirche nichts dagegen unternommen werden konnten, obwohl der Friedhof vor dem Krieg der Jurisdiktion des Pfarrers unterlag. Der Grundbucheintrag bestätigt, dass das Friedhofsgrundstück Eigentum der Freien Stadt Danzig war und deshalb nach dem Krieg zum Staatseigentum wurde. Aufgrund des Dekrets von 1946 durfte das Grundstück der Römisch – Katholischen Kirche nicht übertragen werden.
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In den Jahren 1979-84 wurde das ehemalige Friedhofsgelände formell von dem Verein für Ölsuche in der Ostsee „Petrobaltic“ verwaltet. 1986 wurde das Gelände von der Nord – Werft mit der Absicht erworben, hier ein Arbeiterhotel zu bauen. In der Zeit, in der das Gelände Eigentum der genannten Firmen war, hatte es de facto – ähnlich wie heute – keinen Verwalter. Der Friedhof wurde für Kinder zu einem Platz, an dem sie mit hochroten Gesichtern und unter Schaudern ihre ersten archäologischen Entdeckungen machten; die Älteren labten sich hier am Alkohol. Glücklicherweise wurde das Bauvorhaben der Werft nicht realisiert. 1993 erwarb ein Unternehmer das Friedhofsgelände, der hier ein Motel plante. Der großflächige Bewirtschaftungsplan des Küstenstreifens legte verbindlich fest, dass in dieser Gegend Erholungs- und Touristikobjekte errichtet werden sollten, vorbehaltlich der „Einbeziehung der Flora des ehemaligen Friedhofs“ und der Exhumierung im Fall von Bautätigkeiten. Aus diesem Grund protestierte die Öffentlichkeit in scharfer Form, als die Einebnungsarbeiten am Ort „der ewigen Ruhe“ der einstigen Brösener begonnen hatten. Der Vorfall ging durch die lokalen Medien und alle Arbeiten wurden gestoppt. W. Nocny (Vize - Bürgermeister, also jemand, der mit der Materie bestens vertraut sein dürfte) im Buch „Brze¼no“ („Brösen“): [...] im Februar 2001 [...] reichte der Siedlungsrat Brösen eine Petition an den Woiwoden ein, mit der Bitte, die Schändung der letzten Ruhestätte von fast 900 Bewohnern dieses Stadtteils aufzuklären und Vorschläge zur Wiedergutmachung für die Familien der Verstorbenen zu machen. Der Stadtrat wendete sich an den Bezirksinspektor für Sanitäre Angelegenheiten mit der Bitte, die Exhumierung zu genehmigen und zu gestatten, die sterblichen Überreste im Bereich des ehemaligen Friedhofstores unterzubringen. Der Inspektor war bereit die Genehmigung zu erteilen, wenn die Stadt die Exhumierung vornehmen würde. Die Stadt hat sich jedoch bis heute nicht entschieden.
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Überreste des Tores.

Eingefallener Boden an den Grabstellen.

Überreste der Friedhofskapelle.

Umgestürzte Grabtafel des Franz Kowalewski.

Derweil wird die Zerstörung und Schändung des Friedhofes fortgesetzt, und obwohl von ihm nicht mehr viel übrig ist, gebietet der Anstand, dass man dieses Problem zur Kenntnis nimmt und Schritte in die Wege leitet, die das Andenken der dort Bestatteten ehrt.
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Der Brösener Friedhof auf einem Stadtplan von 1940

Bearbeitet von: virt. Dr. Corzano
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

Abbildungen:
1)-5) - foto: virt .Dr. Corzano
6) Stadtplan von 1940 – aus der Sammlung von virt. Prof.. Miko³aj

15 April 2005 (pl)
9 November 2006 (de)
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