Fakultät der Friedhofskunde

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Katholischer Friedhof auf dem Stolzenberg

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Alter und Neuer katholischer Friedhof um 1920

Der Friedhof auf dem Stolzenberg heute

Dieser Friedhof, oder genauer seine Überbleibsel, befindet sich zwischen den heutigen Straßen Stoczniowców, Lubuska, Biskupa A. Wronki i L. Hirszfelda – bei der Hl. Kreuz- Erhöhungs- Kirche auf dem Stolzenberg.
Würde man vorbehaltlos den Informationen der „Chronik des Stadtteils und der Gemeinde Stolzenberg“, die am Kirchengebäude angebracht ist Glauben schenken, wäre dies ein Friedhof für die Ärmsten, der 1934 angelegt worden ist. Aber es gab ihn schon viel früher, was u. a. ein Stadtplan aus dem Jahr 1908 bestätigt – hier wird er als „Alter katholischer Friedhof“ bezeichnet. Einen zusätzlichen Hinweis auf sein Alter gibt ein von mir gefundenes Bruchstück einer Grabplatte – es handelt sich hierbei um die Grabplatte einer noch im 19. Jh. verstorbenen Person.
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Leider konnte ich bisher nicht feststellen, wann man hier mit den Bestattungen begonnen hatte. Ich schätze, dass dies um die Mitte des 19. Jh. gewesen sein könnte. Aufgrund einiger Berichte kann man annehmen, dass dieser Friedhof zu der katholischen St. Josefs - Gemeinde gehörte, oder möglicherweise gemeinschaftlich mit der angrenzenden St. Nicolai – Gemeinde genutzt wurde (beide Gemeinden wurden 1840 gegründet). Früher befanden sich an diesem Ort die Gebäude des Reformatenklosters mit der Kirche des St. Antonius von Padua. Die Klostergründung geht auf das Jahr 1666 zurück, die Klostergebäude und die Kirche wurden nach Plänen des Baumeisters Bartholomäus Ranisch in den Jahren 1672 -74 errichtet. Nach den Zerstörungen des Jahres 1734 wurde die Kirche in soliderer Form 1762 wiederaufgebaut, um in den Jahren 1807 und 1813 endgültig abgerissen zu werden – übrigens wie die ganze Stadt, die einst auf dem Stolzenberg stand.
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Wie ich bereits erwähnte, wurde dieser Friedhof schon 1908 als der „Alte“ bezeichnet – im Gegensatz zu dem Neuen, der paar hundert Meter entfernt, näher am liegt. Es ist anzunehmen, dass hier für eine gewisse Zeit keine Bestattungen vorgenommen worden waren, um ihn 1934 erneut in Betrieb zu nehmen. Laut der schon erwähnten „Chronik des Stadtteils und der Gemeinde“ wurden hier auch Beerdigungen auf Stadtkosten vorgenommen, u. a. fand hier ihre letzte Ruhestätte die 1935 in Armut gestorbene Schriftstellerin Stanis³awa Przybyszewska. 1942 wurde die Friedhofskapelle errichtet, die teilweise bis heute erhalten ist und zum Keim der heutigen Kirche wurde.
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Friedhofskapelle aus dem Jahr 1942 - als Bestandteil der heutigen Kirche erhalten

Im Zusammenhang mit dieser Kapelle steht eine Geschichte aus der Zeit des 2. Weltkrieges über ein geschnitztes Holzkreuz von Westerplatte. Es ist heute schwierig alle Einzelheiten dieser Geschichte genau zu rekonstruieren. Kapellan der Besatzung auf Westerplatte war Pfarrer Leon Bemke SAC – der einzige Pole in dem seit 1927 in Langfuhr bestehendem Pallotiner - Konvikt. Er selbst wurde zwar frühmorgens am 01. September 1939 in Oliva verhaftet (und nach der Internierung in der Victoriaschule am 07. Sep. an die litauische Grenze gebracht), aber vielleicht gelang es einem anderen Mitglied des Konviktes nach der Kapitulation der Besatzung die Westerplatte aufzusuchen und das Kruzifix aus der dortigen Kapelle der Muttergottes von Tschenstochau an sich zu nehmen. Gleich zur Kriegsbeginn mussten die Pallotiner ihren Sitz verlassen (in dem in der Nachfolge das Anatomische Institut eingerichtet wurde – bekannt aus der Literatur durch „Hanemann“ von St. Chwin und M. Na³kowskas „Medaillons“) und übernahmen die den Polen entzogene Christus- König- Kirche auf dem Gebiet der St. Josefs- Gemeinde. Die Pallotiner waren es, die sich um die 1942 auf diesem Friedhof erbaute Kapelle kümmerten und in ihr seit 1947 für die neuen polnischen Bewohner Stolzenbergs die Hl. Messe lasen. Das Holzkreuz wurde nach dem Krieg aus seinem Versteck geholt und am Altar angebracht, die neu gebildete Gemeinde erhielt den Namen der Hl .Kreuz- Erhöhungs- Kirche.
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Letzte stehengebliebene Grabtafel mit deutscher Inschrift. Sie lautet: "Hier ruht in Gott mein lieber Mann unser guter Vater Josef Schinschetzki *18.10.1898 +24.5.1943. Ave Maria!"

(...)er ruht in Gott unsere liebe Mutter Franziska Draczkowski geb. Papierowski *7.3.(...)62 +8.3.1941. Ave Maria!

Hier ruht in Gott Luise Hallmann geb. Woelk *16.12.1894 + 10.1.1941. Ave Maria!

Paul Zegke *1.8.1893. (...)1941. R.I.P.

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Ruhestätte Emma Czapp geb. Rodler *4.11.1885 +28.3.1942 Ruhe in Frieden

Hier ruht in Gott meine inniggeliebte Frau Mathilde Kielbratowski geb. Chajewski *25.10.1879 +29.6.1942.

Hier ruht in Gott unsere liebe Tante u. Grosstante Minna Pahnke *16.10.1860. +23.4.1942.

Hier ruht in Gott meine liebe Frau Theodora Goldmann geb. Lipski *12.4.(...)05 +3.5.1941. Ave Maria

Es scheint, dass mit der Umwandlung der Kapelle zur Kirche für die Bewohner Stolzenbergs, auch die Bestattungen auf dem Friedhof aufhörten, die jüngsten erhaltenen Grabplatten stammen aus dem Jahr 1946. Der Friedhof, obwohl ungenutzt, existierte bis ca. 1988. Erst dann wurden die Friedhofsreste recht brutal zerstört. Dies hing mit dem Baubeginn des neuen Pfarrhauses zusammen. Den Rest der Zerstörung auf dem Friedhofsgelände erledigte der Neubau der Kirche, die heute (2006) fast vollendet ist. In der tiefsten Ecke des ehemaligen Friedhofes befindet sich ein vom Bagger aufgeschütteter Erdhügel, in dem man vielleicht noch Reste von Grabplatten finden könnte. An anderer Stelle gibt es einen mit Unkraut überwucherte Anhäufung von Steinresten, unter denen ich noch einige Grabplatten mit leserlichen Informationen in Deutsch gefunden habe.
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¦.+P. Kazimierz Dawidowicz. Zgin±³ ¶mierci± tragiczn± dnia 31.V.1945 r. prze¿ywszy l. 23. Prosi o westchnienie do Boga

¦+P Julianna i Stanis³aw Filipowicz ur. 1869 r. zm. 1935 r., ur. 1867 r. zm. 1939 r.

¦P. Franciszka Runowska ur. 2.04.1886 r. zm. 22.02.45 r. Ave Maria; ¦+P Helena Kalinowska z domu Nowak ur. 10.X.1883 r. zm. 19.II.1945 r. Pokój jej duszy.

¦P. Aleksander Kopczyñski ur. 10(?).VII.1866 r., zm. 20.IV.1942 r.

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¦+P Ksawery Ma³kowski nasz kochaj±cy synu¶ i braciszek *6.I.24 +9.VI.46 Ave Maria

¦P Pawe³ Miotke ur. 4.IV.1909 zm. 12.X.1945 Ave Maria

¦+P Monika Piepiórka ur. 22.I.1901 zm. 17.IV.1943 r. Ave Maria

Außerdem sind auf dem ehemaligen Friedhofsgelände noch einige Gräber erhalten, darunter eines mit deutscher Inschrift und einige mit Informationen in Polnisch, in der Mehrzahl Gräber von Personen, die während oder gleich nach dem 2. Weltkrieg verstorben sind. Weil es ungewiss ist, wie lange diese Gräber noch erhalten sein werden, habe ich mich dazu entschlossen alle noch lesbaren Informationen in der Wasserspeier-Akademie zu veröffentlichen – vielleicht findet jemand auf diese Weise Spuren seiner Ahnen oder Verwandten oder findet Angaben, die auf andere Weise ihm nützlich sein können.


Bearbeitet von: virt. Prof. Pumeks
Übersetzt von: Biszon

Bildquellen:
Stadtplan von ca. 1920 – aus eigner Sammlung.
Aktueller Stadtplan – NaszeMiasto.pl:Gdañsk.
Foto der Grabtafel der Theodora Goldmann von Edward Zimmermann, veröffentlicht in „30 Dni“ („30 Tage“) Nr. 17 (März 2000).
Übrige Fotos – eigene 2004 – 2005

7 Februar 2006 (pl)
2 November 2006 (de)
© 2006 Marcin St±porek
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