Fakultät der Gestaltenkunde


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Pa¶tynku

Es geschah in den frühen Nachkriegsjahren. Wir wohnten in Langfuhr, an einer Straße die viele male ihren Namen änderte, um am Ende den jetzigen Namen „Do Studzienki “* anzunehmen. Am oberen Ende der Straße, am Waldrand, befand sich eine Blindenanstalt. Ich war damals ein Kind aber ich sehe noch heute wie die Menschen auf Bänken sitzend ihre Gesichter mit den blinden Augen in Richtung Sonne reckten. Ob Pa¶tynku dort ebenfalls wohnte? Ich bin nicht sicher aber wohl schon. Er war ein alter Deutscher, mit vor Star weißen Augen. Am Arm trug er eine Binde mit drei schwarzen Punkten - dem Kennzeichen der Blinden. Ich hörte, dass er vor und während des Krieges einige Häuser entfernt von unserem gewohnt hat. Sein Haus wurde von einer Bombe getroffen, wahrscheinlich hat er bei dieser Gelegenheit das Augenlicht und den Verstand verloren. Er schlürfte wie in Zeitlupe mit einem Metallbecher in der Hand durch unsere Straße, klopfte an die Wohnungstüren und hielt seinen Becher hin um etwas Nahrung bittend. Die Göhren liefen hinter ihm , laut Pa¶tynku, Pa¶tynku rufend her, feindeten ihn an, verspotteten, rissen an ihm, als würden sie mit ihm Blinde Kuh spielen.
Pa¶tynku suchte oft die Wohnung meiner Eltern auf, vielleicht deshalb, weil meine Mutter (obwohl bei uns kein Überfluss herrschte) ihm nie Unterstützung verweigerte. Ich weiß nicht mehr wie das passierte, aber eines Tages sah ich ihn im Zimmer, in dem das Klavier stand. Pa¶tynku streichelte so zärtlich den Kasten, und sprach wer weiß an wen gerichtet „Ich bin Musikprofessor...“

Bearbeitet von: virt.Prof. Pêtelka
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

*Die Straße hieß bis 1945 Heiligenbrunner Weg. Von 1945 bis zur Rückkehr zum an diesen ursprünglichen Namen anbindenden – Do Studzienki, trug sie den Namen eines polnischen und zugleich bolschewistischen Vorkriegsterroristen – W³adys³aw Hibner, der wegen eines bewaffneten Überfalls 1925 zum Tode Verurteilt und hingerichtete wurde.

10 September 2004 (pl)
21 Januar 2006 (de)
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