Fakultät der Gestaltenkunde


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Beniamin Bartholdy

Benjamin Bartholdy wurde am 28. November 1778 in Danzig geboren. Sein Vater, Perückenmacher und Friseur, wohnte mit seiner Familie in der Beutlergasse Nummer 3. Als die Republik Polen fiel, und Danzig endlich dem Druck Preußens nachgebend das preußische Militär in seine Stadtmauern ließ, war Benjamin 15-jähriger Schüler des Städtischen Gymnasiums. Schon zwei Jahre später wurde er der Schule verwiesen da er es ablehnte sich den Schultraditionen unterzuordnen.
Wie die Mehrheit der Danziger wusste er von der französischen Revolution und ihren Ideen. Nicht nur er sah in der Revolution eine Chance für eine neue, von Tyrannen freie, bessere Welt. Sein verhasster Tyrann war der preußische König.
Zum Kampf gegen diesen wollte er die Danziger bewegen.
Zu diesem Zwecke gründete er mit seinen Schulkollegen einen Geheimbund - Verein der Freien Preußen. Anfänglich bestand das Wirken dieses Vereins aus lebhaften politischen, historischen und militärischen Diskussionen. Anfänglich rechneten die jungen Verschwörer damit dass der polnische Nationalaufstand 1794der auch Danzig erfassen wird. Sie täuschten sich jedoch.
Aber sie gaben nicht auf.
Seit Friedrich Kummer dem Verein beitrat, begann man mit den Vorbereitungen für einen bewaffneten Aufstand. Zu diesem Zwecke sammelte man Waffen, Pulver und Munition. Die Verschwörer übten fleißig das Schießen. Bartholdy legte die militärische Organisation der Verschwörung und die weiß-grüne Uniform der künftigen Aufständischen fest. Um Mittel für die umstürzlerische Arbeit zu haben besteuerte Bartholdy sich selbst und seine Mitstreiter. Die Mittel reichten zum Kauf von Munition und Pulver für eine Pistole und eine Muskete, sowie einiger Kugeln und Granaten.
1796 gelangten die Verschwörer zu der Überzeugung, sie seien für den Aufstand bereit. Er sollte am Gründonnerstag beginnen. Bartholdj schrieb einen Appell an die Bewohner Danzigs und Preußens, in dem er sie zum Kampf gegen den verhassten Tyrannen aufrief.
Am 13. April 1796 bereiteten sich die Verschwörer im Haus an der Beutlergasse Nummer 3 auf ihren Kampf vor. Sie brachten Waffen und Proviant mit.
Bartholdy beschloss im letzten Augenblick noch zwei arbeitslose Lastenträger anzuwerben. Er führte sie in sein Hauptquartier und begann sie von der Idee des Aufstandes zu überzeugen. Die Träger lehnten jegliche Teilnahme an der Revolution ab. Die Gespräche dauerten jedoch so lange, dass sich Bekannte der beiden Träger vor dem Hause der Bartholdys versammlten. Die Menschenschar fing an rasch zu wachsen, denn es entstand das Gerücht von einem Brand. Die Menschenansammlung weckte letztendlich die Aufmerksamkeit der Obrigkeit, denn man wusste über die Vorbereitungen zum Aufstand von einem Verräter – einem Mitstreiter Bartholdys - bescheid. Die Menschenansammlung löste sich von selbst wieder auf, denn die Leute sahen ja weder einen Brand noch sonst etwas interesantes. Trotzdem beschlossen die beiden, von der Obrigkeit geschickten Polizeibeamten, der Sache auf den Grund zu gehen. Der eine blieb vor dem Haus stehen der andere ging ins Haus hinein. Die von seinem Anblick erschreckten Verschwörer flüchteten ins obere Stockwerk.
Der Anführer verlor jedoch nicht die Nerven, sondern unterhielt sich ruhig mit dem Polizisten um ihn anschließend um einen Augenblick Geduld zu bitten - er wolle sich nur für den Besuch des Kommissariates anziehen - und verschwand im Hause. Die auf ihn wartenden Polizisten baten in der Zwischenzeit einen vorbeigehenden Soldaten um Mithilfe. Der Anblick einer Militäruniform erschreckte Bartholdy so sehr, dass es auf die Polizisten zweimal schoss- beide male daneben. Anschließend flüchtete er gemeinsam mit einem Kameraden über die Dächer der Häuser. Die übrigen Verschwörer wurden in der Wohnung festgenommen.
Die Aufdeckung der Verschwörung und Festnahme seiner Teilnehmer führte zu einer breit angelegten Untersuchung der Preußischen Behörden, die vermuteten einzig die Spitze des Eisberges entdeckt zu haben, und das hinter ihm Patrizier oder gar Parteigänger des ehemaligen Polen stehen. Die Wahrheit über den bescheidenen Umfang der Verschwörung kam jedoch schnell ans Tageslicht.
Die Verschwörer wurden zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt und ihr Anführer zum Tod durch das Beil. Die Nachricht von der Begnadigung hielt man bis zum letzten Augenblick zurück, sie wurde Benjamin Bartholdy witziger weise erst auf dem Schafott bekannt gegeben. Die Todesstrafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt.
Diese Verschwörung hielt man aber letztendlich für nicht so ernst wie die anfänglichen harten Strafen vermuten ließen. Schon drei Jahre nach dem unglücklichen Gründonnerstag waren alle Verschwörer wieder frei, und das Lebenslänglich Bartholdys wurde in 10 Jahre Haft umgeändert.
Das Gefängnis verließ er 1802, nachdem er schriftlich seiner jugendlichen Verträumtheit und Ungestümtheit entsagt hat.
Er kehrte nach Danzig zurück und beendete das Akademische Gymnasium.
Eine weiterführende Bildung strebte er nicht an, denn entgegen seiner schriftlichen Erklärung, reiste er nach Frankreich um an der Seite Napoleons zu kämpfen.
Als die napoleonische Zeit endete wie sie endete, kehrte er nach Danzig als Kriegsinvalide zurück. Den Rest seines Lebens, bis 1819, verbrachte er als Privatlehrer, am Damm I, Nummer 13 wohnend.

Bearbeitet von: virt.Prof. Grün
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

10 September 2004 (pl)
10 Oktober 2005 (de)
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