Fakultät der Gestaltenkunde


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Adam Wijbe (Wiebe)

(1584?-1653)

Adam Wijbe wurde in Harlingen in Friesland, in einer Mennonitenfamilie geboren. Man weis nicht wie er eigentlich hieß. Die in der Überschrift dieses Artikels vorgeschlagene Form scheint die wahrscheinlichste zu sein. Der Familienname Wijbe kommt bis auf den heutigen Tag recht häufig in den Niederlanden - auch in Harlingen - vor, das Wort „Adam“ wäre dann eher der Vorname. Es kann sich aber auch um einen, vom Vornamen Wiebe oder Wiebke, abgeleiteten Familiennamen handeln. Und somit wären wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Einige Autoren meinen gar er hieß Wybe Adams. Wie es sich wirklich verhielt werden wir wahrscheinlich nie erfahren denn sowohl die Abstammung beider Worte von Vornamen wie auch beide, in Quellen anzutreffende Reihenfolgen bewirken, dass beide Versionen möglich sind.
Man findet auch unterschiedliche Schreibweisen seines Namens. Auf der berühmten Radierung von W. Hondius mit der Seilbahn zum Bischhofsberg wurde er als Wybe Adam Von Harlingen geschrieben. Die Form Wybe konnte durch eine vereinfachte Schreibweise der benachbarten Buchstaben i und j (zusammen ij) entstanden sein. Das anfänglich so entstandene ÿ wurde in der Folgezeit durch ein gewöhnliches y ersetzt. So wird dieser Name gewöhnlich in der polnischen Historiographie beschrieben. In deutschsprachigen Werken benutzt man die Form Wiebe.
So viel zu den Zweifeln am Namen.
Nicht nur dieser liegt im Dunkeln der Vergangenheit. Denn unbekannt sind auch die Geschicke des Adam Wiebe vor seinem Eintreffen in Danzig. Man weiß nicht einmal genau wann er hier erschien. Ins Rampenlicht tritt er erst im März 1616, als er vom Rat der Stadt den Auftrag zum Bau einer ordentlichen holländischen Windmühle in Walddorf erhielt. Jeder der so eine Windmühle von Innen gesehen hat weiß wie kompliziert seine Konstruktion ist. Wenn also Wiebe so einen Auftrag erhalten hat, muss bereits damals sein Fachwissen außer Zweifel gestanden haben. Da dieser Auftrag nicht sein letzter war, muss er ihn wohl zufrieden stellend erfüllt haben. Dass es nicht sein letzter Auftrag war, wissen wir daher, dass einige weitere, komplizierte, neuartige Konstruktionen in der Stadt von ihm stammen. Das Wirkungsprofil dieses Danziger Erfinders spiegelt deutlich seine holländische Abstammung wieder. Vereinfachend könnte man sagen: er beschäftigte sich mit allem was mit Wasser und Wind zu tun hatte. Man kennt eine ganze Reihe seiner hydrotechnischen Konstruktionen. Und so verdanke ihm Danzig eine 1623 auf der Nehrung in Betrieb genommene, von einem Göpelwerk angetriebene Pumpe, das Versorgungssystem des Neptunbrunnens sowie die Modernisierung des Wasser-leitungsnetzes der Stadt. Auch das Entwässerungssystem der vor kurzem von den Stadtbefestigungen umfassten Gebiete der Niederstadt, angetrieben von einer Windmühle, so wie eine von Giacomo Fantuzzi in seinem Reisetagebuch beschriebene Feuerspritze, waren seine Werke. Er war auch der Urheber einer ganzen Reihe von Bauarbeiten erleichternder Erfindungen. Wie zum Beispiel eines, durch ein Göpelwerk angetriebenen Baggers, eines Hafenkrans auf dem Bleihof, sowie einer Maschine zum Eisschneiden. Die letztere sicherte ihm bis an sein Lebensende ein festes Einkommen.
Seine Werke beschränkten sich jedoch nicht nur auf mit Wasser verbundene Geräte. Er beteiligte sich auch am Bau der Bastionen Kaninchen und St. Jakob, baute eine Ölpresse, eine Ramme, ja sogar den Mechanismus, der die Figuren am Triumphbogen, erbaut 1646, zu Ehren der Besuches von Maria Ludovica Gonzaga, bewegte sowie Gerätschaften für einen wahnsinnigen Wissenschaftler der die Naivität des Stadtrates ausnutzend, ein Perpetuum mobile zu bauen versprach.
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Ein von Adam Wiebe, zur Beförderung des Erdreiches vom Bischhofsberg, zur im Ausbau befindlichen Bastion Berg, gebauter Eimertransporter.

Den größten Ruhm brachte ihm jedoch eine 1644 konstruierte Seilbahn oder genauer gesagt ein an Seilen hängender Eimertransporter der zum Ausbau der Vorstädtischen Bastion - genannt Bastion Berg – benutzt wurde. Mit einer langen Schiffsleine, versehen mit über einhundert Eimern, aufgehängt auf einzelnen Stützen verband er den Bischhofsberg mit der zu erbauenden Bastion Dadurch konnte man mit wenig Arbeitsaufwand die benötigten Erdmassen vom Gipfel des Bischhofsberges, über den Kanal der Radaune und dem Stadtgraben transportieren um daraus die Bastion mit dazugehörigen Werken aufzuwerfen. Dieser Transporter wurde durch ein mit vier Pferden bespanntes Göpelwerk angetrieben. Dieses Gerät war ein so einmaliges Werk, dass es nach Danzig scharenweise Besucher unterschiedlichen Standes anlockte, die dieses Gerät bei sich kopieren oder nur einfach mal dieses Kuriosum sehen wollten. Über Wiebes Seilbahn entstanden sogar Gedichte einige davon an von Danzig entfernten Orten wie z. B. das von Georg Grefling in Regensburg. Wie bedeutend diese Erfindung für die Entwicklung der Seilbahnen in der Welt war, kann man erfahren indem man die Internetseiten zu diesem Thema betrachtet.
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Wiebenkaserne in der Fleischergasse.

Das Renommee Wiebes musste nicht gering sein, denn auch andere Städte wie Elbing, Thorn oder Riga nahmen seine Dienste in Anspruch. 1623 arbeitete er auch in Warschau, wo er den Titel eines königlichen Ingenieurs erhielt. Im Gegensatz jedoch zu den gegenwärtigen Danziger Spezialisten ließ er sich nicht "absaugen" und kam nach jedem solchen Auftrag nach Danzig zurück, denn wie er selber sagte "er kannte die Dinge dieser guten Stadt". Eine nicht geringe Ursache dieser Einstellung waren wohl auch seine Einkünfte in dieser Stadt, aber wie wir alle wissen hat Danzig die Macht Immigranten in Danziger zu verwandeln, daher wunderte auch nicht das der Fremde aus dem weiten Harlingen anderswo gar nicht wohnen wollte.
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Bastion Wiebe (kurz vor der Nivellierung) und die Wieben-kaserne. Stadtplan von 1895.

Die noch nicht gebaute aber schon geplante Straße Wiebenwall und die Wiebenkaserne. Stadtplan von 1908.

In Danzig ehrte man Adam Wiebe indem man die mittels seiner Seilbahn ausgeschüttete Bastion Berg nach ihm benannte. Als diese Bastion Nivelliert wurde benannte man die an ihrer Stelle entstandene Straße ebenfalls nach Adam Wiebe, und so hieß bis 1945 ein Abschnitt der heutigen ulica Okopowa zwischen der Dreifaltigkeitsgasse und Am Weißen Turm damals Wiebenwall. Die in der Nähe erbaute Grenadierkaserne nannte man bis zum zweiten Weltkrieg nach dem Danziger Erfinder Wiebenkaserne. Ähnlich wie bei vielen anderen, für die Stadt verdienten Personen, die in Danzig Straßen ihres Namens hatten, hatten diese deutsch klingenden, Wiebe gedenkenden Objekte keine Chance die Polonisierung der topographischen Namen zu überstehen. Man sollte vielleicht in Erwägung ziehen die Änderungen rückgängig zu machen, oder aber nach Adam Wiebe ein anderes Objekt, das mit seinen Werken in Verbindung gebracht wird, zu benennen.

Bearbeitet von: virt.Prof. Grün
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

Bilder:
1. und 2. Ausschnitte einer Radierung von W. Hondius in: Gdañsk – jego dzieje i Kultura, Warszawa 1969
3. Postkarte im Archiv der Wasserspeier - Akademie
4. Ausschnitt des Stadtplanes von 1895 aus dem Brockhaus 1895
5. Ausschnitt des Stadtplanes von 1908

24 April 2005 (pl)
25 September 2005 (de)
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