Fakultät der Gestaltenkunde


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Die Belagerung Danzigs lt. Tagebuch von Baron Lejeune

LOUIS FRANCOIS LEJEUNE (1776-1848), geboren in Versal Maler und Radierer. Als französischer General und Adjutant von General Berthier nahm en an etlichen napoleonischen Kampanien Teil, die er auch in Bildern festhielt. .Seine Abenteuer bei der Belagerung Danzigs 1807 hielt er in, im lakonischen Stil eines Julius Cesar geschriebenen, Tagebücher fest.

In Finkenstein empfing der Kaiser die Gesandten Persiens, die angeführt von Mirza-Riza-Chan ihm zu den Siegen über seine Feinde - die Russen gratulierten. In den umliegenden Wäldern gab es große Herden von Hirschen, die größer sind als Rehe und große Geweihe tragen. Wir verbrachten einige Tage mit der Jagd auf diese sehr schwer zu jagende, herrliche Geschöpfe. Es gelang uns einige zu erlegen. Von der Jagd in Schnee und Eis, durch düstere Tannen- und Fichtenwälder zurückgekehrt, wärmten wir uns in den gut beheizten Orangerien des Schlosses, wo man erfolgreich Erdbeeren, Pflaumen und Süßkirschen züchtete.
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Die Belagerung Danzigs durch die Franzosen 1807 (Radierung von Joseph Skelton)

Der Schnee begann zu schmelzen – der Frühling nahte. Marschall Lefebvre belagerte das von Marschall Kalckreuth mit 20 Tausend, häufig Ausfälle tätigenden Preußen, verteidigte Danzig. Der Kaiser schickte mich zu Marschall Lefebvre mit dem Befehl die Belagerung zu verstärken, und so geschah es, dass ich an vielen wichtigen Ereignissen teilnahm. Das erste war der Ausfall der Preußen bei Hagelsburg, wo sie auch abgeschlagen wurden, das zweite war das Scharmützel bei Veichselmünde, wo bedeutende Teile der russischen Armee uns angriffen in der Absicht, unsere Artillerie zu erbeuten und uns zur Aufgame der Belagerung zu zwingen. Die Einheiten des Marschalls Lefebvre schlugen die Preußen zurück, während die unter dem Befehl des Marschalls Lannes und Generals Oudinot die Russen zurückdrängten. In dieser Schlacht ritt ich ein von Marschall Lefebvre geliehenes Pferd. Als ich nun abends zum Stab zurückkehrte, sprengte eine Kugel vom Bischofberg einen Stein unter mir. Die Splitter töteten das Pferd an Ort und Stelle, und ich lag einige Zeit flach auf dem Boden, ehe ich mich erheben konnte. Der Schock und die Schmerzen von den Prellungen waren bald vergangen. Ich war ja nicht ernsthaft verletzt und konnte mich zum Stab schleppen, wo die Freude über den Sieg mich wiederherstellte. Am gleichen Abend ritt ich los, um dem Kaiser die guten Nachrichten zu überbringen. Einige Tage später schickte er mich zurück mit dem Befehl die Belagerung, die wegen dem Können, mit dem der Marschall Kalckreuth die Verteidigung befehligte, nur mühsam voranging, zu beschleunigen.
Wir hatten uns bis an den Boden des Festungsgrabens herangearbeitet, als am 19 Mai ein englischer, mit 24 Kanonen bestückter Segler, versuchte die Blockade zu durchbrechen, und über einen Arm der Weichsel, die sich durch die Wiesen bei Danzig schlängelt, in die Stadt zu gelangen. Der verwegene Schiffskommandant versuchte aus allen Rohren feuernd durch die Sperren zu brechen. Eigentlich näherte er sich der Stadt ohne größere Probleme, abgesehen von einigen Salven, durch die er mit Leichtigkeit durchkam. Da griffen jedoch für ihn unerwartet einige Kompanien unserer Schützen an, die über die Wiesen angerannt kamen, und von beiden Seiten des Kanals das Schiff unter Feuer nehmend, seine Matrosen unter Deck zwangen. Ohne Steuerung, mit flatternden Segeln driftete das Schiff ans Ufer und lief hier auf Grund, die Soldaten eroberten es, machten 150 Gefangene, und erbeuteten auch die kostbare, für die Garnison der Stadt bestimmte Ladung an Waffen, Munition und Proviant.
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Marschall Lefebvre

Marschall von Kalckreuth

Die besten Ingeneure der französischen Armee versammelten sich unter dem Befehl von General Chasseloup zur Belagerung Danzigs. Die Belagerung wurde mit großem Nachdruck geführt, jedoch waren die Fortschritte nicht bedeutend genug um den Kaiser zufrieden zu stellen, der weit weg vom Kriegsschauplatz, sich nicht bewusst war, das uns die Fähigkeiten der Befehlshaber der Verteidigung jeden Tag vor neue Herausforderungen stellten. Meine Kameraden, die Offiziere freuten sich also nicht besonders beim Anblick eines aus dem Hauptquartier ankommenden Boten, mit dem Befehl, die Stadt mit mehr Eifer zu belagern. Sie ließen es an mir aus, indem sie mich zwangen das offene Gelände zwischen unseren Schanzen an den gefährlichsten Stellen zu durchqueren. Meine beiden größten Widersacher namens Bodzon und Delange, wurden jedoch für ihre sinnlose Boshaftigkeit durch Wunden gestraft. Ich dagegen tat so, als sehe ich nicht ungewöhnliches in ihrem Verhalten.
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Übergabe der Stadt

Der Boden des Festungsgrabens befand sich überwiegend in unserer Hand. Unsere Minengänge erreichten die Linie der Hauptbefestigungen. Marschall Lefebvre wartete wie auch wir ungeduldig auf die Einnahme der Stadt und ein Ende der Mühsal, die schon seit einem Monat andauerte und uns täglich viele Opfer kostete. Eines Tages packte mich der Marschall, wütend wegen eines Verzuges, am Arm, schlug dabei mit der Faust auf die von Explosionen schartige Mauer, und schrie dabei in seinem elsässischem Akzent „ Macht hier ein loch und ich gehe als erster hindurch“. Zu dieser Zeit fielen die Mauern unter unserem Beschuss zusammen und es taten sich einige größere Breschen auf. Die Soldaten waren zum Angriff bereit. Der Generalsturm fand am nächsten Morgen, dem 24 Mai 1807 statt. Da kapitulierte Marschall Kalckreuth. Diese Nachricht überbrachte ich dem Kaiser.
Am 1 Juni kam der Kaiser nach Danzig um die Festung zu inspizieren. Er befahl, die durch die Belagerung entstandenen Schäden zu beseitigen, um die Stadt wieder verteidigen zu können. Danach eilte er wieder nach Finkenstein, wo Friedensverhandlungen mit den Russen begannen.


Bearbeitet von: virt.Prof. Grün
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

Quelle: Napoleonic literature
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