Fakultät der Gestaltenkunde


Hauptseite (deutsch)
Hauptseite (polnisch)
macur.jpg

Kazimierz Macur

(1915 - 2001)

Kazimierz Macur wurde in £uczaj, im Wilnaer Land geboren. Bis 1932 besuchte er die Bauabteilung der Staatlichen Technischen Oberschule in Wilna. In den folgenden Jahren arbeitete er in der Fortifikationsabteilung des Gebietsstabes in Baranowicze. 1938 begann er an der Universität Wilna Kunst zu studieren. Der Krieg im September 1939, an dem er auch teilnahm, beendete sein Studium. Nach seiner Rückkehr in das inzwischen sovietische Wilna, trat er der Polnischen Heimatarmee bei.
Nach dem Krieg kam er in einer der ersten Gruppen der „Repatrianten“ aus Litauen erst in Graudenz, dann in Leslau an. 1946 kam er auf Einladung von prof. Jan Borowski nach Danzig. Die beiden lernten sich noch vor dem Kriege kennen, als sie an der Renovierung der Schlösser in Wilna und Troki arbeiteten. An Danzig reizte ihn auch die hier bereits wieder funktionierende Technische Hochschule, weil er die Absicht hatte, das durch den Krieg unterbrochene Studium fortzusetzen. Ab Juli 1946 arbeitete er als „Unterreferendar für altertümliche Architektur“, und studierte an der, der TH angeschlossenen, Ingenieurs-Abendschule. Das Studium beendete er 1952.
Im Bezirksamt für Denkmalpflege arbeitete er bis 1951, um dann in die Danziger Abteilung des Denkmalpflege Amtes zu wechseln, dem er fast dreißig Jahre lang, bis zu seiner Pensionierung 1980 treu blieb.
Seine erste Aufgabe war die Sicherung der stark beschädigten Marienkirche. Außer den Arbeiten bei der Inventarisierung und Vorbereitung des Wiederaufbaus, plante er auch die zu rekonstruierenden Elemente der Architektur und der Innenausstattung. Er war es, der von der Leiter eines in die Kirche gefahrenen Feuerwehrwagens aus, in den Mauern die Balkennester ausmaß, in die der von ihm geplante Regenbogenbalken eingesetzt wurde, auf dem später die berühmte Kreuzigungsgruppe ihren Platz fand. Er war es auch, der die Rekonstruktion der, den Korpus der Kirche zierenden Türmchen mit ihren schlanken Turmspitzen, plante. Seine weiteren Werke waren die Sicherung und Wiederaufbau solcher Objekte, wie das Zeughaus, das Grüne Tor oder die Königliche Kapelle. Die Liste der durch Kazimierz Macur im Nachkriegs Danzig rekonstruierten Bauten umfasst 53 Objekte. Sein spektakulärstes Werk ist wohl die Planung und Durchführung der Arbeiten an der Turmspitze des Rechtstädtischen Rathauses. Bei den Arbeiten am Wiederaufbau des Artushofes suchte er persönlich in den Steinbrüchen Niederschlesiens nach Granit entsprechender Qualität, aus dem dann die herrlichen Pfeiler in der Halle dieses Hofes entstanden sind. Er war es auch, der den Wiederaufbau des monumentalen Kachelofens plante. Aus unbekannten Gründen fehlt jedoch sein Name in der Stiftungsurkunde des Wiederaufbaus.
Aus seiner Wilnaer Heimat „Repatriert“ (oder nach neuerer Terminologie Vertrieben), fand er in Danzig eine neue, in der Stadt, der er fast sein gesamtes Berufsleben widmete. Dank unter anderem seiner, oft unterschätzten, meist schlecht bezahlten Arbeit, können wir heute darauf stolz sein, in der schönsten Stadt der Welt zu wohnen. Wären da nicht der Eifer und Elan solcher Menschen wie Kazimierz Macur gewesen, hätte die Danziger Rechtstadt das gleiche Schicksal ereilen können wie die Danziger Altstadt oder gar Königsberg.
Kazimierz Macur erzählte seine Erlebnisse beim Wiederaufbau Danzigs Izabella Greczanik-Filipp, die diesen Bericht im zweiten Band ihres Buches Wspomnienia z odbudowy G³ównego Miasta (Erinnerungen an den Wiederaufbau der Rechtstadt) veröffentlichte.

Bearbeitet von: virt.Prof. Grün
Übersetzt von: virt.Prof. Alter Schotte

18 November 2004 (pl)
26 Juni 2005 (de)
© by Akademia Rzygaczy Members